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HPV

HPV-Prävention für Frauen über 26 Jahre?

Im Interview: Dr. med. Brigitte Frey Tirri | Branded Content

HPV-Prävention für Frauen über 26 Jahre?
  • Wann macht eine HPV Impfung für Erwachsene Sinn?

Eine Infektion mit HPV kann zu Gebärmutterhalskrebs führen. Eine Impfung in jungen Jahren kann schützen. In welchen Fällen diese auch für erwachsene Frauen sinnvoll sein kann, weiss
Dr. med. Brigitte Frey Tirri.

Kontakt

Dr. med. Brigitte Frey Tirri

Chefärztin

Kantonsspital Baselland, Liestal

Frauenklinik Baselland

Kanton Basel-Landschaft

Web: www.ksbl.ch

Mit freundlicher Unterstützung von  MSD Merck Sharp & Dohme AG
Mit freundlicher Unterstützung von MSD Merck Sharp & Dohme AG

Frau Dr. Frey Tirri, laut Schätzungen des Bundesamts für Gesundheit stecken sich 80 Prozent der sexuell aktiven Frauen und Männer im Laufe ihres Lebens mit Humanen Papillomviren, kurz HPV, an. Wie genau erfolgt die Infektion und merke ich, dass ich mich angesteckt habe?
Die Viren sitzen auf den Schleimhäuten und der Haut. Die Ansteckung erfolgt über sexuelle Kontakte wie Petting, Küssen, Intimverkehr und kann bereits während der Schwangerschaft oder der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Weiter können die Viren über das Stillen und den Händekontakt übertragen werden. Zu Ihrer zweiten Frage: Nein, eine Ansteckung mit HP-Viren verläuft meist unbemerkt und verschwindet in 90 Prozent innerhalb von zwei Jahren wieder.

Welche Folgen kann eine HPV-Infektion haben?
Manchmal, wenn das Immunsystem gegen diese Viren nicht ankommt, kann es während dieser Zeit zu leichten Zellveränderungen am Gebärmutterhals kommen. Nur bei einer Persistenz der Viren, das heisst einem Fortbestehen dieser Infektion, das ist ganz wichtig zu wissen, kann es zu unterschiedlichen Erkrankungen kommen: Eine Infektion mit Niedrigrisiko HPV kann zu Genitalwarzen (Kondylomen) führen, bei einer Ansteckung mit Hochrisikoviren kann es zu einer höher- oder hochgradigen Veränderung vor allem der Zellen am Gebärmutterhals, seltener an der Vulva, der Vagina und am Anus kommen. Bei Männern kann es ebenfalls zu Kondylomen im Anogenitalbereich und zu höhergradigen und hochgradigen Veränderungen am Anus kommen. Selten auch zu Veränderungen von Zellen am Penis. Bei beiden Geschlechtern, Männer mehr als Frauen, kann eine persistierende HPV-Infektion zu Zellveränderungen im Rachen- und Halsbereich führen.

 

Bei Frauen steht als Folge insbesondere Gebärmutterhalskrebs, die viert­häufigs­te Krebsart beim weiblichen Geschlecht, im Fokus. Wie gefährlich ist diese Krebsart?
Wird der Krebs in einem sehr frühen und frühen Stadium entdeckt, kann die Erkrankung mittels einer Operation gut geheilt werden. Die Schwierigkeit ist, dass der Krebs in diesem Stadium sehr oft keine Symptome und keine Schmerzen verursacht. Daher ist die Vorsorge die einzige Möglichkeit, Gebärmutterhalskrebs in einem frühen Stadium zu entdecken. In einem späteren Stadium wird der Gebärmutterhalskrebs meist mit einer kombinierten Radiochemotherapie behandelt, die Überlebenswahrscheinlichkeit ist dann bereits geringer, weil der Krebs das umgebende Gewebe und die Lymphdrüsen oft bereits infiltriert hat.

Wie kann ich mich vor HP-Viren schützen? Mit Safer-Sex?
Safer Sex ist sehr wichtig und bietet Schutz vor vielen sexuell übertragbaren Erkrankungen. Bei den HP-Viren ist Safer Sex jedoch wenig wirksam. Das Virus liegt in der Haut und den Schleimhäuten, ist sehr ansteckend und wird durch Haut- und Schleimhautkontakte, die nicht durch das Kondom respektive Femidom abgedeckt sind, übertragen.


Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Impfung? Gibt es eine offizielle Empfehlung?
Der beste Zeitpunkt ist vor Aufnahme sexueller Aktivität. In der Schweiz ist die Empfehlung, Jungen und Mädchen im Alter von elf bis 14 Jahren zu impfen. Auch eine sogenannte «Catch-up» Impfung bis 26 Jahre wird im Rahmen von kantonalen Impfprogrammen empfohlen und bezahlt.

Wie steht es um die Sicherheit der Impfung?
Die Impfung ist aus meiner Erfahrung sehr gut verträglich. Manchmal kann es lokal zu einer Rötung, Schwellung und zu Schmerzen kommen. Auch systemische Reaktionen wie Fieber und grippale Symptome sind möglich.

Ist eine Impfung ein Ersatz für regelmässige gynäkologische Untersuchungen?
Nein, das ist sie natürlich nicht. Erstens gibt es ja noch andere Hochrisiko HP-Viren, die mit der Impfung nicht abgedeckt sind und eine Zellveränderung und Krebs hervorrufen können. Zweitens besteht die gynäkologische Untersuchung nicht nur aus der Abstrichentnahme, sondern vielem mehr, wie zum Beispiel Gesprächen über Verhütung, Infektionen, menopausale Symptome, die Brustvorsorge, sexuelle Schwierigkeiten.

Bin ich nach der Impfung, auch als erwachsene Frau, ausreichend geschützt?
Ja, bei vollständiger Impfung sind sie, wie die Zahlen bisher zeigen, auch im Erwachsenenalter gegen die in der Impfung enthaltenen Viren geschützt. Eine Impfung kann auch nach Aufnahme der sexuellen Aktivität und einer HPV-Ansteckung Sinn machen und vor weiteren Ansteckungen mit Hochrisikotypen schützen, die von der Impfung abgedeckt sind. Wurde die Impfung allerdings nach Aufnahme der sexuellen Aktivität durchgeführt und es besteht schon eine unbemerkte Infektion und das Immunsystem hat diese Viren nicht eliminiert, kann es später zu einer Zellveränderung am Gebärmutterhals kommen.

In welchen Lebenssituationen ist für mich als erwachsene Frau eine HPV-Impfung sinnvoll?
Frauen deren Immunabwehr geschwächt ist oder die wechselnde Partner haben oder Frauen, die für sich den grösstmöglichen Schutz wünschen, stehen im Vordergrund. Mit Frauen nach einer Operation wegen einer Gebärmutterhalsveränderung, im Fachjargon Konisation genannt, bespreche ich die Impfung. Das Risiko, dass eine erneute Zellveränderung auftritt, liegt bei etwa sieben von 100 Frauen nach einer Konisation; mit der Impfung kann ich dieses Risiko auf circa drei von 100 Frauen reduzieren. Das ist absolut gesehen kein sehr grosser Nutzen, das soll jedoch mit jeder Frau individuell besprochen werden.

Angenommen, ich bin über 26 – kommt eine «späte» Impfung für mich dann überhaupt infrage?
Ja, denn die verfügbare HPV-Impfung hat die Zulassung bei Frauen bis zum 45. Le­bensjahr erhalten. Somit steht sie auch diesen Frauen offiziell offen. Ob es sinnvoll ist oder nicht, ist individuell mit der Patientin zu besprechen und eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist zu beantragen. Manche Kassen übernehmen die Kosten, oder zumindest zu einem Teil, andere nicht.

Gebärmutterhalskrebs: Fakten & Zahlen*

  1. 1. Gebärmutterhalskrebs ist der Name für Tumoren, die am unteren Teil der Gebärmutter entstehen.
  2. 2. Im Schnitt erkranken jedes Jahr 5’000 Frauen alleine in der Schweiz an durch HPV ausgelöste Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses.
  3. 3. Im Schnitt erhalten in der Schweiz 250 Frauen pro Jahr die Diagnose Gebärmutterhalskrebs mit Behandlungsfolge.
  4. 5. Pro Jahr sterben etwa 80 Frauen in der Schweiz aufgrund von HPV verursachten Gebärmutterhalskrebs.

 

 

Schon gewusst?*

 

Humane Papillomviren (HPV):

· HPV ist eine Virenfamilie.

· Aktuell sind mehr als 200 HPV-Typen bekannt, von denen rund 30 sexuell übertragen werden.

· Nicht alle sexuell übertragbaren HPV-Typen sind gleich risikoreich.

· Die internationale Krebsforschungsagentur (IARC) ordnet derzeit etwa zwölf genitale HPV-Typen sicher als Hochrisikotypen ein, darunter vor allem HPV 16 und HPV 18

*Quelle: Infobroschüre: «HPV – weit verbreitet.
Oft unterschätzt.», MSD Merck Sharp & Dohme AG

veröffentlicht: 21.10.2022